Sport
- Formel 1
- Fußball
- Eishockey
- Vermischtes
- Leichtathletik
- Wintersport
- Ski WM 2005
- Volleyball
Kultur
- Kino / TV
- Theater
- Musik
- Südtiroler Bands
- Kunst
- Literatur
- Bildung
Wirtschaft
- Lokal
Chronik
- Lokal
Panorama
- Gesundheit
- Portrait
Politik
- Lokal
STOL-Spezial
- On Tour
- Live
- Tagung Minderheiten
- Miss Südtirol
- Dossier
- Zu Besuch
- Users On Tour
- Jahresrückblick
- Traummann
- Sportlerwahl
- Ötzi
© 2005 STOL
Herbert Pedron
Panorama - Portrait

"Ich bin stolz, Südtiroler und Prager zu sein"

Der 43-jährige Herbert Pedron aus Magreid ist ein „Allrounder“. Nachdem er in Südtirol eine Kunstglaswerkstatt eröffnete zog es ihn nach Prag. Dort lebt er seit nunmehr sieben Jahren. Zusammen mit seiner Frau Ivana führt er eine Boutique am Wenzelsplatz und eine private Interessengemeinschaft der Plastischen Chirurgie. Wie sich diese unterschiedlichen Tätigkeiten unter einen Hut bringen lassen und wie er Südtirol von Außen betrachtet sieht, hat er Südtirol Online in einem Gespräch erzählt.

Südtirol Online: Wann sind Sie nach Prag gekommen?

Herbert Pedron: Definitiv nach Prag gekommen bin ich 1998, im Alter von 37 Jahren. Tätig bin ich in Prag schon seit über einem Jahrzehnt.

STOL: Was war ausschlaggebend, dass Sie sich entschieden haben ganz nach Prag zu gehen und nicht mehr zwischen der Tschechei und Südtirol zu „pendeln“?

Pedron: Mit der Zeit war es zu anstrengend zwischen Prag und Bozen zu „pendeln“. Meine Frau und ich haben die Tätigkeit in Prag von Anfang an mit der Absicht begonnen früher oder später auch dort zu wohnen und zu leben.

STOL: Was haben Sie in Südtirol gemacht?

Pedron: Nach meinem Studium war ich Leiter der Einkaufsabteilung einer großen Handelsfirma. Später habe ich dann den Aufbau der Qualitätskontrolle bei Finstral übernommen. Erfüllen konnten mich diese Jobs jedoch nicht. Ich hatte immer den Traum mich selbständig zu machen und mehr von der Welt zu sehen. Als ich auf einer Stuttgarter Messe auf eine neuartige Technik der Kunstverglasung stieß, sah ich die Chance meine immer schon vorhandene kreative Ader umzusetzen und gründete in Margreid die Kunstglaswerkstatt Ars Vetrum. In den nachfolgenden acht Jahren entwarf, produzierte und installierte ich mit meinen Mitarbeitern über 1000 Kunstverglasungen für betuchte Kunden zwischen Hamburg und Rom.

STOL: Was produzierten Sie in Ihrer Kunstglaswerkstatt?

Ich habe mit Architekten und Innenarchitekten zusammengearbeitet und mich auf Großprojekte wie dekorative Deckenverglasungen, Leuchtwände, Trennwände, Türen und auch religiöse Arbeiten, spezialisiert. Die meisten Arbeiten wurden für große Hotels, anspruchsvolle Privatkunden und für öffentliche Institutionen gefertigt. Jedes Werk entstand zuerst auf dem Reißbrett im meinem Studio. Meine Mitarbeiter und ich ergänzten alte und neue Techniken und erzielten damit neue Gestaltungsmöglichkeiten und ein neues Know How auf diesem Gebiet. Das größte öffentlich zugängliche Werk (15 Quadratmeter), das ich gestaltet habe, befindet sich in der futuristischen Kapelle im neuen Haslacher Friedhof in Bozen. Als ich nach Prag ging übernahm einer meiner Mitarbeiter die Kunstglaswerkstatt.

STOL: Würden Sie sich als Allrounder bezeichnen?

Pedron: Es ist schwer über sich selbst zu urteilen. Kreative Tätigkeiten und Design faszinieren mich genauso wie Technik, Wissenschaft oder Internet. Eigentlich wollte ich nach der Mittelschule die Grödner Kunstschule besuchen. Meine Eltern bevorzugten jedoch die Gewerbeoberschule, was für mich auch kein Problem war, da mich die Technik ebenfalls faszinierte. Die natürlich kreative Veranlagung einerseits und die technische Ausbildung andererseits haben sicherlich zu meiner Vielseitigkeit beigetragen.

STOL: Welchen Tätigkeiten gehen Sie derzeit in Prag nach?

Pedron: Ich betreibe zusammen mit meiner tschechischen Frau die Boutique „Anima Tua“ am Wenzelsplatz, und ich führe eine private Interessengemeinschaft der Plastischen Chirurgie mit zentralem Büro, ebenfalls am Wenzelsplatz. Insgesamt haben meine Frau und ich sechs Angestellte. Meine Frau leitet die Boutique und produziert seit drei Jahren ihre eigene Modekollektion.

STOL: Lässt Ihre Frau als Chefdesignerin auch typische Südtiroler Stilelemente in die Kollektionen einfließen?

Pedron: Das würde ich so nicht sagen. Der Modestil meiner Frau ist eine Essenz neuer Trends bereichert mit stilvollen und teils reich geschmückten Elementen. Das ganze basiert auf hochwertigen Stoffen und Accessoires aus Emilien und der Toskana. Dazu lassen wir eigenen Schmuck fertigen. In Nordböhmen liegt das weltweit größte Zentrum für Modeschmuck-Produktionen. In den dortigen Werkstätten produziert man für Weltmarken wie Escada, Chanel oder Dior. Auch Swarovsky stammt von dort. Meine Frau entwirft und fertigt auch auf Bestellung für Stars, Sänger, Moderatoren und Models, oder auch für Hollywood Filmproduktionen, die ja nicht selten in Prag drehen.

STOL: Zusätzlich zu der Boutique haben Sie sich dann in einem ganz andern Bereich, dem der Schönheitschirurgie, ein zweites Standbein geschaffen. Woher kam die Idee und Ihr Interesse für die Schönheitschirurgie?

Pedron: Der Weg von der Mode hin zur Schönheit ist relativ kurz. Über die Boutique wurden wir zu Insidern im Mode-, Fernseh- und Unterhaltungsbusiness. In diesen Branchen ist Plastische Chirurgie ein fast alltägliches Thema. Gefragt sind nur die allerbesten Spezialisten. Irgendwann bekamen wir Anfragen aus unserem Bekannten- und Verwandtenkreis in Deutschland und so kam mir der zündende Gedanke mehr daraus zu machen. Ich entwarf das völlig neue Konzept, eine privaten Organisation für hochqualitative Plastische Chirurgie zu gründen. Durch Zufall kam ich mit einem Arzt in Verbindung, der durch seine berufliche Tätigkeit auch ein ausgesprochener Kenner der tschechischen Plastischen Chirurgie ist. Dieser Arzt ist seither mein wichtigster Berater und medizinischer Supervisor unserer Organisation. Mit ihm zusammen habe ich ein Ärzteteam zusammen gestellt. Gleichzeitig haben wir die zwei größten spezialisierten Kliniken des Landes eingebunden. Damit sichern wir dem Patienten detaillierte Informationen und reibungslose Abwicklung der Operation, sowie auch die Gewissheit sich in den richtigen Händen zu befinden.

STOL: Woher kommen Ihre Kunden?

Pedron: Die Patienten kommen vor allem aus den deutschsprachigen Ländern, allen voran aus der Schweiz. Aber genauso aus den angelsächsischen Ländern, aber auch aus Australien oder Neuseeland. Vor wenigen Monaten zählte eine ehemalige Miss England zu unseren Kundinnen. Namen darf man in dieser Branche nicht nennen.

STOL: Welche Art von Operationen führen Sie durch?

Pedron: Unsere Ärzte führen die gesamte Palette der Plastischen Chirurgie durch und bieten auch die zeitgemäßen verfeinerten Behandlungsmethoden an, sofern sich diese bereits bewährt haben. In der Plastischen Chirurgie gibt es ja fast täglich Meldungen über neue Methoden und Techniken. Man muss jedoch vorsichtig sein, denn die meisten dieser Neuigkeiten entpuppen sich als reines Marketing und setzen sich in der breiten Ärzteschaft, meist aus gutem Grunde, nicht durch. Wir bieten zwar moderne, aber nur ausgereifte Techniken und Methoden an.

STOL: Gab es in den letzten Jahren Veränderungen was die Art der Operationen betrifft?

Pedron: Der Laie denkt bei Plastischer Chirurgie oft nur an die drei klassischen Operationen: Gesichtslifting, Fettabsaugung und Brustvergrößerung. Der Trend geht jedoch weg von den klassischen Standardbehandlungen hin zu einer feinabgestimmten Behandlung die der Individualität und den persönlichen Ansprüchen und Erfordernissen des Patienten mehr Rechnung trägt . In der Gesichtsverjüngung beispielsweise haben neben dem klassischen Facelifting auch die Endoskopie, der Laser und die sogenannte Gesichtsfettabsaugung Einzug gehalten. Der erfahrene Chirurg kombiniert diese Verfahren nach individueller Erfordernis und Absprache mit dem Patienten und erzielt damit ein verfeinertes Ergebnis. Dasselbe gilt im Bereich der Fettabsaugung. Heute stehen dem Arzt unterschiedliche Techniken der Fettabsaugung zur Verfügung. Jede von Ihnen eignet sich für bestimmte Anforderungen. In der Regel bietet ein plastischer Chirurg nur eine Methode an. In unserer Organisation bieten wir unterschiedliche Methoden an und sind so in der Lage den Erfordernissen des Patienten mit Beratung und Behandlung ideal entgegenzukommen.

STOL: Haben Sie sich selbst schon plastisch operieren lassen?

Pedron: Ich selbst hab mich, im Gegensatz zu meiner Frau, bisher noch nicht behandeln lassen.

STOL: Würden Sie das machen?

Pedron: Ja. Ich möchte nicht wesentlich älter oder aussehen als ich mich fühle. Als erste Operation plane ich eine Lidstraffung, die ich demnächst durchführen werde. Lifting, Laser, oder Endoskopie kommen später an die Reihe.

STOL: Welchen Stellenwert hat die plastische Chirurgie in der Tschechei? Lassen sich nur VIP operieren oder können sich das auch „Normalverdiener“ leisten?

Pedron: Bisher konnten sich unter den Tschechen nur die Prager VIP behandeln lassen. Doch VIP gibt es in genug in dieser Stadt, denn das tschechische Medien-, Show-, Politik-, und Modebusiness konzentriert sich ganz auf Prag. Langsam bildet sich auch eine neue Mittelschicht heraus, die sich auch den Luxus einer Plastischen Operation leisten kann.

STOL: Warum haben Sie Ihren „amerikanischen Traum“ gerade in der Tschechei erfüllt?

Pedron: Das Wort „Traum“ ist irreführend. Heute sieht man die Früchte, aber man sieht nicht die enorme Mühe und Arbeit die dahintersteckt. Prag hatte für mich seit jeher schon einen besonderen Reiz, eine Stadt die mich schon immer anzog. Dann hatte ich das Glück meine Frau kennen zu lernen. Wir kauften uns eine kleine Wohnung in Prag und eröffneten eine kleine Boutique. Mit den Jahren haben sich die Dinge positiv entwickelt.

STOL: Vor zehn Jahren, am Beginn Ihrer Karriere in Prag, lag die „goldene Stadt“ noch im wirtschaftlichen Hintertreffen. War das ein Vorteil oder ein Nachteil für Ihr Vorhaben?

Pedron: Beides. Es war anfänglich zweifelsohne ein Nachteil und hat uns große Probleme bereitet. Der nachlassende, ja stockende Konsum brachte zeitweise die gesamte Wirtschaft ins wanken und natürlich auch unser Vorhaben in der Modebranche. In Hinsicht auf die Plastische Chirurgie hingegen war der wirtschaftliche Rückstand ein Vorteil. In der Krise konnte ich dieselben Operationen zu einem Bruchteil der Kosten wie in Deutschland, Schweiz oder England anbieten. Insofern bot die Krise eine Chance und erleichterte mir damals den Einstieg in die Plastische Chirurgie. Trotzdem war der Beginn alles andere als einfach. Es bestanden pauschalisierte Vorbehalte, die wir damals zu überwinden hatten, bis sich mit den Jahren unser Bemühen und die guten Leistungen unserer Ärzte herumgesprochen haben.

STOL: Wie hat sich die Tschechei in den vergangenen 10-15 Jahren wirtschaftlich entwickelt?

Pedron: In den ersten drei-vier Jahren nach dem Fall des eisernen Vorhanges florierte Tschechien, so wie alle befreiten Oststaaten. Die Menschen hatten sich in diesen Ländern in den vielen Jahrzehnten der leeren Regale des Kommunismus Geld eingespart. Dazu kam, dass durch die Reprivatisierung nach dem Mauerfall ein großer Teil der Bevölkerung praktisch über Nacht reich wurde. Die Menschen hatten aber nie gelernt mit Geld und Vermögen umzugehen und so verfielen sie erst einmal der neuen ungewohnten Fülle von Konsumangeboten aus dem Westen. Tschechien verzeichnete damals die besten Wirtschaftsdaten aller Ost-Länder. Doch im Grunde war das kein gesundes Florieren. Die Tschechen gaben Ihr Geld wohl einfach nur schneller aus als andere, bis das böse Erwachen kam.
Die Ersparnisse der Bürger gingen zu Ende und der Konsum stagnierte. Kleine Firmen schlossen, große Firmen und ausländische Investoren zogen ab, sogar Dutzende von Grossbanken gingen bankrott. Dem Staat fehlten die Mittel einzugreifen. 1999/2000 kam die internationale Wirtschaftskrise hinzu, und dann noch das Prager Jahrhundert-Hochwasser. Am Tiefpunkt stand eine jährliche fünf- bis sechsprozentige Rezession.
Tschechien entwickelte sich vom Musterknaben unter den Ost-Ländern zum wirtschaftlichen Schlusslicht. Nun scheint die Durststrecke überwunden. Seit 2002 geht es aufwärts. Trotz dem großen wirtschaftlichen „Auf und Ab“ kann man sagen, dass in den letzten 15 Jahren vor allem in Prag eine Revolution stattgefunden hat. Die Stadt hat sich zu einer pulsierenden Metropole gewandelt, dabei aber ihre legendäre Romantik beibehalten.

STOL: Was hat sich seit dem EU-Beitritt im Land Ihrer Ansicht nach verändert?

Pedron: Abgesehen vom Wegfall der Grenzkontrollen hat sich seit dem offiziellen Beitrittsdatum nichts geändert. Der Beitritt hat sich fließend vollzogen und war eigentlich schon vor dem offiziellen Termin abgeschlossen. Konkret hatte etwa Volkswagen lange vorher schon die Skoda übernommen, die Telefonrechnung bezahlten wir schon vorher seit Jahren an die (deutsche) Telekom, italienische Immobilien-Konzerne kauften sich mit Realitäten ein, die Amerikaner dominieren die privaten TV Medien. Vor allem in Prag findet man bereits an jedem Eck deutsche und englische Wirtschaftskanzleien. Prag ist in den 15 Jahren so international geworden wie wohl kaum eine andere europäische Stadt. Englisch ist zur gängigsten Business Sprache geworden.

STOL: Sorgt die Neumitgliedschaft Tschechiens für mehr Konkurrenz oder mehr Kundschaft in Ihren Geschäftszweigen?

Pedron: Die Mitgliedschaft wirkt sich auf jeden Fall positiv auf unser Geschäft aus. Vor allem in der Plastischen Chirurgie, weil Prag für unsere Patienten aus den Nachbarländern näher gerückt ist.

STOL: Welche Vorzüge bietet Prag abseits der geschäftlichen Möglichkeiten?

Pedron: Es lässt sich in Prag herrlich romantisch Abendessen, in einem der vielen Altstadt-Kellerrestaurants oder auf der Terrasse an der Moldau. In etwa ein einhalb Stunden gelangt man in die nahegelegenen Skigebiete. Für kulturbegeisterte Menschen ist Prag ein Paradies. Aber auch jungen Leuten bietet Prag jede Menge Unterhaltung. Stadtbummler tummeln sich gerne in den neuen riesigen Shopping- und Unterhaltungszentren wo alles unter einem Dach zu haben ist: Boutiquen, Multimedia-Kinos, Restaurants, Fitness-Zentrum, Schwimmbad, etc.

STOL: Wie sind die Menschen in Prag?

Pedron: Die Prager lieben Ihre Stadt, und ihre Kultur. 50 Jahre Kommunismus haben zwar Spuren hinterlassen, die vor allem bei der älteren Generation auch heute noch gut erkennbar sind. Im Geschäftsleben nehmen die Prager lieber, als dass sie geben. Man muss also clever sein und wissen was Sache ist, oder sich die richtigen Geschäftspartner suchen. Privat wird Gastfreundschaft groß geschrieben. Die junge Generation in Prag ist sehr motiviert, mehrsprachig, im Ausland ausgebildet und gewillt etwas zu erreichen. In Prag gibt es außerdem eine 50.000 Einwohner starke amerikanische Gemeinde, eine große englische Gemeinde und eine jüdische Gemeinschaft mit tiefer traditioneller Verwurzelung. Besonders die Engländer fühlen sich mit Prag verbunden, wegen der geschichtlichen Geschehnisse des zweiten Weltkrieges, als die berühmt gewordenen Piloten der tschechischen Flotte an der Seite der Engländer von London aus gegen Hitler flogen.

STOL: Leben auch viele Italiener in Prag?

Pedron: Ja, interessanterweise zieht es auch immer mehr Italiener in diese Stadt. Die Italiener besitzen nicht nur viele Immobilien hier, sie führen naturgemäß auch Restaurants, Pizzerias oder Delikatessengeschäfte. Der typische Italiener liebt Prag ähnlich wie Venedig. Zu Ferragosto „gehört“ Prag den Italienern.

STOL: Welche sind die Unterschiede zwischen Tschechen und Südtirolern?

Pedron: Ich sehe eigentlich mehr Gemeinsamkeiten als trennende Elemente. Auf dem Lande gibt es praktische dieselbe Kultur, und das selbe Brauchtum mit Festen, Trachten und Volksmusik. Man spielt sogar dieselben Lieder, da viele der volkstümlichen Stücke wie „Rosamunde“ von Tschechen und Prager Autoren wie Karel Hasler und Karel Svoboda stammen. Den Tschechen und Südtirolern ist auch ein relativ hohes Maß an Stolz fürs eigene Land gemeinsam. Weiters besitzen beide einen starken Willen. Dies war etwas was mich schon in meiner Kindheit faszinierte, etwa wenn ich vom Prager Frühling erfuhr oder von den Selbstverbrennungen der Studenten am Wenzelsplatz während der Sovietbesatztung. Da sehe ich gewisse geschichtliche Parallelen mit dem legendären Willen der Tiroler zur Verteidigung der eigenen Identität.

STOL: Was haben Sie von den Tschechen gelernt?

Pedron: Liebe zu den Tieren. Es gibt in diesem Lande kaum eine Familie ohne Haustier. Sogar Singles besitzen in der Regel wie selbstverständlich ein Haustier.

STOL: Welche Fähigkeiten muss man haben, um in der Tschechei Fuß fassen zu können? Pedron: Um in Tschechien als einzelne Person Fuß zu fassen muss man einen verlässlichen tschechischen Partner haben, oder eine nahestehende einheimische Bezugsperson. Nur auf gerade wohl kann man als Privatperson oder mit kleinem Business hier nur schwer Fuß fassen. Besonders wichtig sind also gute, möglichst familiäre Kontakte, aber auch viel Geduld und Durchhaltevermögen. Der Hemmstein Bürokratie lauert hier noch überall und die aktuelle Regierung agiert teils noch sehr bürokratisch. Doch wie das Sprichwort sagt: „Wo der Wille da ein Weg“.

STOL: Sie bezeichnen sich als von „Fernweh“ bestimmten Menschen. Verspüren Sie nach so vielen Jahren im Ausland manchmal noch Heimweh?

Pedron: Zwar wollte ich schon als Kind und Jugendlicher immer in die Welt hinaus. Doch „Fernweh“ ist vielleicht nicht das passende Wort. Ich liebe die Freiheit und mag nicht so sehr das Gefühl festgenagelt zu sein. Ich fühle mich heute in Prag genauso zuhause wie in Südtirol. Ich möchte keines von beiden missen. Das Wort „Zuhause“ hat für mich auch noch eine tiefergehende Facette: „Zuhause“ fühle ich mich beispielsweise an der Arbeit, aber auch dort wo ich mit bestimmten Menschen zusammen sein darf, wie etwa mit meiner Frau, mit der ich mich wundervoll verstehe. Dann ist das geographische Zuhause nicht mehr das ausschlaggebende.

STOL: Wie oft kehren Sie nach Südtirol zurück? Wann waren Sie das letzte Mal hier?

Pedron: ich reise mit meiner Frau jeweils Ende Januar und im August per Pkw nach Florenz um Kleider, Accessoires, und vor allem Stoffe für unsere eigene Produktion einzukaufen. Dann verbringen wir immer einige Tage bei meinen Eltern in Margreid. Ein bis zweimal im Jahr fliegen wir nach Mailand für einen Kurzurlaub. Meine Frau ist in diese Stadt verliebt.

STOL: Gab es Momente, in denen Sie eine Rückkehr nach Südtirol in Erwägung gezogen haben?

Pedron: An eine definitive Rückkehr, habe ich nie gedacht und das käme heute auch nicht mehr in Frage. Andererseits bewirtschaften meine noch lebenden Eltern einen Bauerhof, und ich bin der einzige Sohn. Ich werde nach deren Ableben meine zweite Heimat in Südtirol auf keinen Falle aufgeben. Wie ich das löse weiß ich noch nicht. Es wird sich zeigen. Ich hoffe dass meine Eltern noch lange leben. Inzwischen wird die Welt mobiler und wächst zusammen. Neuerdings wurde eine Flugverbindung von Prag über München, nach Bozen in Betrieb genommen. Die Verbindungen werden sich auch in Zukunft noch verbessern, und erschwinglicher werden.

STOL: Was an Südtirol ist für Sie nach wie vor unvergleichlich?

Pedron: Die Natur, die Landschaft, die Berge. Als begeisterter Bergsteiger, Mountainbiker, Surfer und Skifahrer vermisse ich vor allem die unvergleichlichen Abenteuer- und Sportmöglichkeiten Südtirols.

STOL: Sie haben immer wieder neue Aktivitäten gegründet. Wird es bei den drei bleiben oder schmieden Sie bereits Pläne für die Zukunft?

Pedron: Es liegen weitere Pläne in der Schublade. Einer davon betrifft den Import neuartiger titanbeschichteter Silikonimplantate für die Brustvergrößerung, die sich zur Zeit in Deutschland in einer Langzeitstudie befinden. Weiters möchten wir eine zweite Boutique am Altplatz eröffnen und die Glasdesignerwerkstatt „Ars Vetrum“ in Prag wieder ins Leben rufen. Bei diesem Plan habe ich ein gutes Gefühl, da ich das Know How bereits besitze. Prag und Böhmen haben darüber hinaus eine jahrhundertealte Tradition im Bereich der Kunstglasbearbeitung. Böhmisches Glas ist ein internationaler Begriff wie Grödner Holzschnitzerei. Ein anderes Projekt betrifft das Thema Internet und Schönheit in Tschechien. Dieses plane ich in Zusammenarbeit mit einem führenden Partner im Bereich Fashion-Medien und Models zu realisieren.

STOL: Wie sehen Sie Südtirol von außen?

Pedron: Südtirol ist für mich genauso wie Prag eine von zwei Heimaten, und dies wird immer so bleiben. Ich mag Südtirol und auch die Südtiroler. Der typische Südtiroler ist zwar etwas verschlossen gegen die Moderne und gegen schnelle Veränderungen, aber dies ist wie immer nur eine Seite der Medaille, die andere Seite der Medaille zeigt eine wirtschaftliche Stabilität und ein soziales Netzwerk wie es kaum eine andere Region nicht nur in Europa vorweisen kann. Besonders gefällt mir an Südtirol, dass die dunklen Kapitel der Geschichte gänzlich überwunden wurden und man zu einem fortschrittlichen multikulturellem Verständnis gekommen ist. Nicht nur bei Politikern oder Unternehmern, sondern auch beim einfachen Mann auf der Strasse. Aus meiner Kindheit kann ich mich noch an die Bombenlegungen und an die demonstrativen italienische Panzerpräsenzen auf unseren Straßen erinnern. Umso mehr beeindruckt es mich heute zu sehen, mit welcher Selbstverständlichkeit in Südtirol die Menschen zweier unterschiedlicher Sprachen und Kulturen gemeinsam leben und zuvorkommend miteinander umgehen. Ich bin stolz sowohl ein Südtiroler als auch ein Prager zu sein.

Interview: Kristina Volgger und Dr. Rupert Bertagnolli



... weitere Artikel aus der Rubrik Portrait
- „In 25 Jahren wird der Mensch auf dem Mars landen“
- „Es ist wie im Nebel Ski fahren“
- „Man braucht sich in Südtirol nicht verstecken“
- "Ich fühle mich als Europäer und Naturwissenschaftler"
- „Südtirol ist meine private Basis“
- „Viele meinten, Niki Lauda ist mein Onkel“
- „Ich möchte schauen, was in Südtirol hinter der Fassade steckt“
- Netzwerk für Südtiroler im Ausland gegründet


 
© 2005 STOL
Name: Herbert Pedron
Aufgewachsen in: Margreid
Ausgewandert nach: Prag
Im Jahr: 1998
Ausbildung: Spezialist Qualitaetsmanagement
Beruf: Unternehmer
Alter: 43 Jahre

stol.links

Mitteilung
Kennen auch Sie interessante Südtiroler im Ausland? Schicken Sie uns Ihren Vorschlag.
redaktion@stol.it
 


Website Südstern: Netzwerk Südtiroler im Ausland




© 1997 - 2005 | www.stol.it | Südtirol Online | Impressum
 
cheap jordan shoes ovo jordans nike free trainer 5.0 jordan retro 11 low
Retro jordans for sale Cheap foamposite jordan retro 12 pink Cheap jordan retro 13 air jordan retro 11 air jordan 12 the master air jordan 12 french blue cheap jerseys Cheap jordans for sale jordans for cheap jordan retro 11 legend blue retro 12 jordans
Retro jordans for sale, Cheap foamposites, jordan retro 5, cheap jordans for sale, foamposites For Sale, jordan retro 12, jordan retro 11, Cheap jordans for sale, jordans for cheap, jordan retro 11 legend blue, retro 12 jordans, cheap soccer jerseys, Canada Goose sale, cheap jordans